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Ich kann dich nicht riechen !
Wissenschaftlich festgestellt: Der Geruch ist wichtig für die Wahl des richtigen Partners
Das richtige Parfüm verstärkt die Botschaften unseres Körpergeruchs
 
Du riechst so gut
Du riechst so gut
was riechen wir eigentlich an anderen Menschen? 1995 machte Claus Wedekind, aus dem Team von Manfred Milinski an der Universität Bern, ein interessantes Experiment: Er ließ weibliche Versuchspersonen an den getragenen T-Shirts männlicher Testpersonen schnuppern und bat sie, ihren Duftfavoriten auszuwählen. Eine Vorliebe für einen bestimmten Körperduft sollte - so die Arbeitshypothese des Wissenschaftlers - mit dem Vorhandensein bestimmter Gene zusammenhängen.
Dabei handelt es sich um die Gene des MHC, des Haupthistokompatibilitätskomplexes (engl. major histocompatibility complex). Sie tragen die Bauanleitung für ganz besondere Bausteine des Immunsystems, die MHC-Proteine. Ihre Aufgabe: MHC-Proteine binden Bruchstücke von Fremdeiweißen - so genannte Antigene -, die von Bakterien, Viren oder Parasiten stammen, und präsentieren sie den körpereigenen T-Zellen zur Erkennung. Diese leiten dann eine Abwehrreaktion des Körpers ein. Der Erkennungsmechanismus funktioniert nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip, d.h. zu jedem MHC-Molekül gibt es passende Eiweißbruchstücke (Peptide), und zu jeder dieser MHC-Peptid-Kombinationen die passenden T-Zellen. Je mehr verschiedene MHC-Moleküle ein Organismus hat, desto mehr verschiedene Krankheitserreger kann sein Immunsystem erkennen und bekämpfen.
Beim Menschen gibt es mehr als hundert Varianten von fast jedem der neun MHC-Gene, MHC-Allele genannt. Da jeder Mensch wenigstens 12 MHC-Allele hat, ist es nahezu ausgeschlossen, dass zwei nicht verwandte Menschen genau das gleiche MHC-Proteinmuster aufweisen. Sexuelle Fortpflanzung und die damit verbundene Partnerwahl könnten einen Weg darstellen, um den Nachkommen möglichst unterschiedliche Immungene mitzugeben und damit ihre Widerstandskraft gegen Krankheiten zu steigern. Im Labor können die Forscher diesen individuellen "MHC-Bausatz" für das Immunsystem mittels einer Gen-Analyse feststellen. Für potenzielle Paarungspartner ist er aber auch von außen "ablesbar" - weil er nämlich den Körpergeruch beeinflusst.
"Wir erfassen unbewusst, wie die eigene Immunabwehr beschaffen ist, und können die eines potenziellen Partners am Geruch erkennen", erklärt Manfred Milinski. Tatsächlich bevorzugten die Damen in dem beschriebenen Experiment die T-Shirts mit dem Körpergeruch jener Männer, deren Immungene sich deutlich von ihren eigenen unterschieden. Die Duftfavoriten verfügten offenbar über das jeweils passende "immungenetische Ergänzungsprogramm" für den potenziellen Nachwuchs.


An die zehntausend verschiedene Gerüche kann der Mensch wahrnehmen. Die Forscher gehen daher davon aus, dass die Wahrnehmung nicht nur von Körpergerüchen, sondern auch von Parfüms bei der sexuellen Kommunikation eine Rolle spielt. Immerhin werden Parfüms schon seit über 5000 Jahren eingesetzt. Wenn sie das natürliche Signal maskieren oder verändern würden, hätte die Selektion uns schon längst den Parfümgebrauch vermiest - er würde uns "stinken". Stellt sich die Frage: Was signalisieren wir, wenn wir einen bestimmten Duft tragen? Wen wollen wir damit für uns gewinnen? Und welche biologische Bedeutung hat die Vorliebe für bestimmte Ingredienzien?
Um diese Fragen zu beantworten, testeten Milinski und Wedekind Mitte der 1990er-Jahre die Präferenzen von 137 männlichen und weiblichen Studenten für verschiedene Parfüms. Jede Testperson bekam 36 Papierstreifen zu riechen, auf die zuvor jeweils zwei Tropfen Jasmin, Heliotrop, Rosenholz, Moschus etc. gegeben worden waren. Die Probanden sollten sich den jeweiligen Duft als Parfüm für sich selbst vorstellen und ihn dann auf einer Skala von angenehm bis unangenehm einstufen. Darüber hinaus wurde jedem Teilnehmer eine Blutprobe entnommen, um seine MHC-Ausstattung zu bestimmen.


Tatsächlich teilten Personen, die eine ähnliche Sammlung an Immungenen besaßen, auch die Vorliebe für bestimmte Duftnoten. "Dass das Ergebnis so eindeutig war, konnten wir kaum glauben", sagt Milinski. Deshalb wiederholten die Forscher den Versuch zwei Jahre später, um festzustellen, ob die Parfümpräferenzen der Teilnehmer gleich geblieben waren. Diesmal bekamen die Testschnüffler jeweils 18 Duftproben zur Bestimmung des eigenen Lieblingsparfüms, die anderen 18 sollten sie danach auswählen, ob sie es gerne an einem Partner riechen würden.
Wieder entschieden sich die Testteilnehmer für dasselbe Lieblingsparfüm. Im Gegensatz dazu entsprach der Duft für den Partner allerdings überhaupt nicht der MHC-Zusammensetzung des Auswählenden. Doch dafür haben die Wissenschaftler eine ganz einleuchtende Erklärung zur Hand: Während wir uns bei unserem eigenen Parfüm für ein "genetisch passendes Make-up" entscheiden, das die Botschaften unseres Körpergeruchs verstärkt (genau die 12 MHC-Allelel, die man hat, sollten signalisiert werden), wählen wir den Partner aufgrund seiner optimalen Andersartigkeit aus - er soll eben Gene mitbringen, die wir selbst nicht haben (und ist entsprechend mit einem anderen Duft behaftet).
Und darin liegt auch der ganze Sinn sexueller Fortpflanzung: in der Neukombination von Genen bei den Nachkommen. Ginge es nur um reine Zahlen, Sex wäre schon längst von der Bildfläche verschwunden oder im Verlauf der Evolution erst gar nicht aufgetaucht. Denn ein Weibchen, das sich ausschließlich asexuell fortpflanzt, produziert doppelt so viele Nachkommen wie ein sich sexuell fortpflanzendes Weibchen. Warum also diese komplizierte Methode zur Erzeugung des Nachwuchses, die zwei Individuen statt eines einzigen verlangt? Warum bleibt Sex trotz seiner hohen Kosten (nur halb so viele Nachkommen) in einer Art erhalten?
Schon 1980 hatte der Zoologe William D. Hamilton erstmals die Idee formuliert, wonach kurzlebige und sich im Gegensatz zu ihren Wirten genetisch schnell verändernde Parasiten jenen starken Selektionsdruck ausüben könnten, der es der sexuellen Fortpflanzung gestattet, sich trotz ihrer doppelten Kosten gegen die eingeschlechtliche Fortpflanzung durchzusetzen. Um die sich immer wieder wandelnden Formen von Parasiten abzuwehren, muss sich auch das genetische Widerstandssystem permanent verändern. Hätten wir als Art keinen Sex, dann wären wir diesen Herausforderungen hoffnungslos ausgeliefert. Sex aber produziert Vielfalt oder anders ausgedrückt: Es erlaubt den Organismen, Gene gezielt neu zu kombinieren.




 
 
 
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